Aktuelles

Franziskanisches Frühjahrssymposium 2015

Wie wir uns im Alter verändern

Mittwoch, 6. Mai 2015
9.00 – 16.00 Uhr, Seminarhaus St. Klara - Vöcklabruck


Am Mittwoch, 6. Mai, fand im Seminarhaus St. Klara der Franziskanerinnen in Vöcklabruck das schon traditionelle Franziskanische Frühjahrssymposium statt. Thema war: „Wie wir uns im Altern verändern“. Geschäftsführerin der TAU.GRUPPE.VÖCKLABRUCK Sr. Elsbeth Berghammer konnte Sr. Generaloberin Angelika Gartstenauer, Generalvikarin Sr. Teresa Hametner, Mag. Alexandra Gruber und Lukas Wenzl von der Abteilung Soziales des Landes OÖ und WKO OÖ Fachgruppengeschäftsführer Dr. Robert Steiner begrüßen. Grußworte sprachen GF Martin König, ARGE der oö. Alten- und Pflegeheime, Bezirkshauptmann Dr. Martin Gschwandtner), Bgm. Mag. Herbert Brunsteiner und LAbg. Johann Affenzeller (in Vertretung von LR Mag. Jahn).

Die Veranstaltung wurde sehr gekonnt und souverän moderiert von Dr. Christin Haiden, Chefredakteurin von "Welt der Frau".
Geschäftsführer der TAU.GRUPPE.VÖCKLABRUCK Dr. Günter Jakobi bedankte sich abschließend für die hochwertigen Referate und den zahlreichen Besuch der Gäste.

Symposium

Symposium
Moderatorin Dr. Haiden und
Prof.Univ.-Doz.Dr. Schöny
Symposium
Sr. Elsbeth Berghammer und
emerit.Univ.Prof.Dr. Dyk-Ploss

Symposium
Univ.-Doz. Dr. Gatterer

Symposium
Prim. Dr. Dovjak


Vorträge:

Prof. Univ.-Doz. Dr. Werner Schöny
ehemaliger ärztlicher Direktor der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg, Präsident pro mente Austria und Vorstandsvorsitzender pro mente OÖ

Jeder will alt werden, keiner will alt sein.

Körperliche, aber vor allem auch seelische Gesundheit ist eine wichtige Voraussetzung für ein erfülltes Älterwerden, die gute soziale Situation unserer Gesellschaft spielt hier eine wichtige Rolle. Wesentlich ist auch die Unterscheidung zwischen biologischem und kalendarischem Alter. Aktive Menschen kommen wesentlich später in die Phase der Gebrechlichkeit und Hilfsbedürftigkeit. Aktivität ist eine Lebenseinstellung, sie beginnt im Kopf und muss umgesetzt werden. Weitere Kriterien eines erfolgreichen Alters sind u.a. kognitive Leistungsfähigkeit und soziale Kompetenz. Ganz wichtig ist die individuelle Lebenszufriedenheit, man sollte viel mehr und schon von Jugend an die kleinen, schönen Dinge des Lebens schätzen und auf das Positive schauen. Vor allem nach der Pensionierung ist es wichtig, neue Herausforderungen zu suchen. Langeweile führt häufig zu Suchtverhalten. Das Gehirn bleibt jedenfalls auch im hohen Alter leistungs- und lernfähig. Lernen, lachen, laufen, lieben, lustvoll leben – mit diesen fünf Lebenseinstellungen wird man gesund alt. Alte Menschen erkranken häufiger an Depression, daher muss Depressionsbehandlung konsequent umgesetzt werden. Jeder Mensch hat die Chance, sein eigenes Verhalten zumindest teilweise zu ändern, dazu ist es nie zu spät. Demenz ist ein großes Problem, ein gemäßigtes, stressfreies Leben ist hier eine gute Vorbeugung. Ab einem gewissen Grad der Demenz empfiehlt Schöny institutionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, weil die pflegenden Familienangehörigen (vor allem Frauen) oft überfordert werden, vor allem auch in psychischer Hinsicht, Folgeerkrankungen für die Pflegenden, so auch Burn-out, sind die Folgen. Je selbstständiger Menschen alt werden, umso günstiger ist das für den Einzelnen und für die Gesellschaft. Auch, und schon in jungen Jahren, sollte das Sterben nicht ausgeblendet werden, der spirituelle Hintergrund spielt ebenfalls eine gewichtige Rolle beim gesunden Altern.

Vortrag zum Download


emerit. Univ. Prof. Dr. Irene Dyk-Ploss

ehemalige Professorin an der Johannes Kepler Universität, Institut für Gesellschafts- und Sozialpolitik

Alter: Herausforderung und Chance

Alter wird in unserer Gesellschaft nicht gelernt, schon von Jugend an nicht, das ist ein grundlegendes Problem. Daher kommt es auch beim Pensionsantritt vielfach zu Rollen- und Statusverlust, der Wechsel von Aktivität zu Inaktivität wird schlecht gemeistert. Unsere Gesellschaft zeigt uns nicht vor, wie die „Altersrolle“ ist. Das führt vielfach zur Kompensation durch jugendliche Lebensstile. Alter kann nicht an Jahreszahlen festgemacht werden, man sollte sich von starren Altersgrenzen verabschieden. So sollten ältere Arbeitnehmer länger in Arbeit sein und nicht zu früh pensioniert werden, außer natürlich bei Erkrankung. Und auch die bestehenden Ruhensbestimmungen sollten überdacht werden. Wir werden immer gesünder älter und erst in den letzten Jahren des Lebens pflegebedürftig. Die oft gehörte Forderung nach aktivem Altern ist Ergebnis unserer Hochleistungsgesellschaft und trifft nicht auf alle zu. Viele Ältere wollen oft nur Ruhe und Erholung. Sehr kritisch zu sehen ist auch das durch die Werbung propagierte Seniorenkonsumverhalten. Viele aktive Ältere erfüllen wichtige Aufgaben in unserer Gesellschaft, Dyk spricht hier von der Rolle der „ambulanten Großmutter“ (Einsatz für Enkelkinder, Betreuung von pflegebedürftigen Angehörigen, ehrenamtliche Tätigkeiten, Mitarbeit bei Flüchtlings- und Migrantenbetreuung). Altern heute ist jedenfalls eine sehr relative Angelegenheit (Stadt-Land, Mann-Frau, Beruf, Bildung, In- und Ausländer, etc.) mit sehr starker Differenzierung. Ganz wichtig ist die Einstellung zum eigenen Altern. Ein neues Rollenbild im Alter ist dann leichter möglich, wenn man mit dem eigenen Älterwerden nicht hadert nach dem Motto „Alles kann, aber nichts muss“.


Univ.-Doz. Dr. Gerald Gatterer
Leitender Psychologe und interim. Vorstand der Abteilung für Psychosoziale Rehabilitation. Geriatriezentrum am Wienerwald

Psychosoziale Aspekte des Alterns – zwischen „Jugendwahn“ und Resignation

Altern ist ausgesprochen individuell und persönlich, daher ist das individuelle Wohlbefinden als Maßstab zu sehen. Das gilt sowohl für den einzelnen alten Menschen als auch für die Alten- und Pflegeheime. Denn der ältere Mensch von heute hat verschiedenste Bedürfnisse (körperlich, sozial, leistungsmäßig, materiell, wertmäßig). Individualität muss verstärkt zugelassen werden, biografisch orientiertes Wohlbefinden wird in Zukunft immer mehr gefragt sein. Dementsprechend müssen auch die Heime moderne Heime sein. Positive Einstellung ist wichtig, der den Alten oft vorgeworfene „Jugendwahn“ hat beim modernen Alten nichts mit Jugendwahn zu tun. Denn ältere Menschen werden kompetenter, moderne Alte entsprechen nicht mehr dem statistischen Mittelwert. Man darf ältere Menschen nicht an überkommene Rollen anpassen, die sie nicht wollen. Es geht um Anerkennung von individuellen Normen, jeder muss für sich entscheiden können, was er im Leben im Alter aufgreift. Erfolgreiches Altern ist ein Zusammenspiel von biologischem Substrat, psychischen, sozialen und ökologischen Faktoren. Wichtig ist auch auf die Eigenverantwortung zu achten. Lernen, lachen, laufen, lieben, lustvoll leben sind als ganzheitliche Faktoren gute Voraussetzungen für ein modernes Altern. Positive Einstellung, auch völlig Neues beginnen, Rollenwechsel, Flexibilität sind durchaus positiv und kein Jugendwahn. Viel Spaß beim Altern, so der abschließende Wunsch des Referenten.

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Prim. Dr. Peter Dovjak
Leiter der Abteilung Akutgeriatrie im Salzkammergut-Klinikum Gmunden

Sicherer Umgang mit langen Medikamentenlisten

Polypharmazie (Vielfachmedikation) bedeutet Übermedikation, Untermedikation oder ungenügende Medikation. Der Nutzen von Medikamenten bei Vielfachmedikation ist nämlich oft oder kaum gegeben, vielfach gibt es auch negative, ja tödliche Folgen. Zu diesen Nebenwirkungen gehören auch Stürze. Besonders problematisch wird die Medikation bei Multimorbidität. Die Anzahl der Neben- bzw. Wechselwirkungen ist abhängig von der Medikamentenanzahl, denn Neben- bzw. Wechselwirkungen steigen exponentiell mit der Zahl der eingenommenen Medikamente. Psychopharmaka und Herz-Kreislaufmedikamente verursachen die meisten Probleme. 35% der älteren Menschen haben Nebenwirkungen durch laufende Medikation, 29% brauchen sogar ärztliche Hilfe. Oft sind Krankheitssymptome nichts anderes als Nebenwirkungen. In Alten- und Pflegeheimen sollte daher bei der Aufnahme eine exakte Medikamentenanamnese gemacht werden, weiters eine Diskussion mit dem behandelnden Arzt und eventuell eine Veränderung der Medikamentengabe unter genauer Kontrolle. Günstig ist es auch, eine Checkliste für Medikamente einzusetzen und ein Medikamententagebuch zu führen. Medikamente müssen mit Maß und Ziel, angepasst an den Einzelnen und an das Alter verschrieben werden. Die richtige Medikation hängt von verschiedensten Parametern ab. Der klinischen Pharmakologie kommt hier eine ganz wichtige Rolle zu. Für eine optimale medizinische Betreuung älterer Menschen ist die Altersmedizin von entscheidender Bedeutung. Schutz vor dem Tod, Schutz vor körperlichem Verfall, Verbesserung der Lebensqualität, Vermeidung der Pflegebedürftigkeit sind die obersten Ziele der Altersmedizin. Es braucht die Geriatrie, weil die fortschreitende Spezialisierung und Subspezialisierung in der Medizin nicht geeignet ist, die komplexen medizinischen und sozialen Probleme multimorbider alter Menschen ganzheitlich zu erfassen. Die spezifischen Probleme in der Versorgung geriatrischer PatientInnen sind in einem vernetzten, interdisziplinären Interventions- und Versorgungssystem mit abgestuften stationären, teilstationären und ambulanten Einrichtungen lösbar. Ziel ist, Krisensituationen multimorbider älterer Menschen frühzeitig zu erkennen, um durch eine rasche und adäquate Intervention bleibende Pflegebedürftigkeit zu vermindern.

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