Aktuelles

Franziskanisches Frühjahrssymposium 2016


Betreuung und Pflege - herausfordernde Beziehungen

Dienstag, 10. Mai 2016, 9 - 16 Uhr
Seminarhaus St. Klara, Vöcklabruck


Am Dienstag, 10. Mai, fand im Seminarhaus St. Klara der Franziskanerinnen in Vöcklabruck das schon traditionelle Franziskanische Frühjahrssymposium statt, das Thema sorgte für Rekordbesuch. Dr. Günter Jakobi, Geschäftsführer der TAU.GRUPPE.VÖCKLABRUCK, konnte als Vertreterin der Franziskanerinnen von Vöcklabruck Generalvikarin Sr. Teresa Hametner begrüßen. Weiter Ehrengäste waren LR Ing. Reinhold Entholzer, Bgm. Mag. Herbert Brunsteiner, HR Mag. Hermann Mühlleitner und Martin König, GF SoNe GmbH, diese sprachen auch Grußworte. Souverän moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Christine Haiden, Chefredakteurin von Welt der Frau.

Refenten
Wall, Marksteiner, Sr. Teresa, Hörl, Haiden, Jakobi

Frühjahrssymposium 2016 Frühjahrssymposium 2016
Frühjahrssymposium 2016
Deeskalation mit Thomas Petter
Frühjahrssymposium 2016
SOG.THEATER
Frühjahrssymposium 2016 Frühjahrssymposium 2016

 

Frühjahrssymposium 2016

 

Frühjahrssymposium 2016

SOG.THEATER mit Publikum


Frühjahrssymposium 2016
Aus dem Publikum auch
Frankenburgs Bürgermeister Baumann

 

Mag. Michael Wall, Abteilung Soziales – Land OÖ, stellte in einem Kurzreferat das Projekt IVD (Integrierte Versorgung Demenz) vor. Dieses Pilotprojekt des Landes OÖ und der OÖ GKK gibt es seit zwei Jahren, neue Betreuungsansätze bei Demenz werden hier entwickelt bzw. weiterentwickelt. Drei oberösterreichische Alten- und Pflegeheime sind eingeladen noch mitzumachen.
Nähere Informationen: www.demenz-versorgung.at.

Vortrag zum Download


ao Univ.-Prof. Mag. Dr. Josef Hörl vom Institut für Soziologie der Universität Wien sprach zum Thema „Übergriffe, Gewalt und Aggression älterer Menschen“. Der Sozialgerontologe führte aus, dass man Gewalt zwar zivilisieren, aber niemals ganz abschaffen kann, „sie bleibt immer an den Bewusstseinsrändern jedes Menschen“. Gewalt in Heimen, Krankenhäusern und in der Familie ist Gewalt in „Vertrauensbeziehungen“. Wobei es hier ein ambivalentes Verhältnis bei älteren Menschen gibt. Straftaten gegen diese werden nämlich seltener verübt als gegen jüngere Menschen (mit zwei Ausnahmen: Entreißen von Handtaschen etc. und Trickdiebstahl), trotzdem nimmt im Alter das Vorsichtsverhalten zu (Viktimierungs-Furcht-Paradox). Bei älteren Opfern sind jedoch die Schäden (psychisch und physisch) bei erlittener Gewalt gravierender. Zur Gewalt an Älteren zählt körperliche, emotional-psychische, finanzielle und die Vernachlässigung, wobei eine Definition und Identifikation bei Älteren oft sehr schwierig ist. Demenzkranke werden häufiger misshandelt, vor allem körperlich. Drohungen im privaten Bereich sind dort die häufigste Form der Gewalt, sie stellen eine wirksame Verhaltenssteuerung dar. In der stationären Altenpflege, so der Referent, ist der Forschungsstand zu Gewaltanwendung unbefriedigend, repräsentative Studien fehlen vielfach. Gewalt in Heimen und Spitälern ist jedenfalls ein weltweit gleiches Phänomen. Das Gewaltrisiko in Institutionen hängt von drei Faktoren ab: Struktur, Kultur und Personal. Gerade in Heimen mit guter Struktur (gute Führung, kein Personalmangel, gutes Arbeitsklima) ist Gewalt gegen BewohnerInnen seltener.

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Prim. Univ.-Prof. Dr. Josef Marksteiner
, Leiter der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie am LKH Hall in Tirol, sprach zum Thema „Herausforderndes Verhalten von älteren Menschen“. Er zeigte neuropsychiatrische Symptome/Verhaltensauffälligkeiten bei Demenz, also Aggression, Depression, Psychosen, Apathie und psychomotorische Agitation. Aggression, so Marksteiner, ist aber keine Emotion, sondern eine Reaktion auf einen Zustand, ein Verhalten, hinter dem die Absicht steht zu zerstören oder zu verletzen. Für das Pflegepersonal in Heimen ist aber Apathie der BewohnerInnen mindestens genauso herausfordernd wie aggressives Verhalten, wobei die Apathie das häufigste Problem ist. Verhalten ist immer auch Kommunikation, vor allem, wenn sprachliche Fähigkeiten abnehmen. Wichtig, so der Referent, ist, aggressives Verhalten gut einzuordnen, sie richtet sich aber meist nicht gegen Pflegende persönlich. Schmerz-Demenz kommt an die 50% und mehr in Heimen vor, die betroffenen Demenzkranken haben täglich Schmerzen, diese verstärken die Agitiertheit. Sehr wichtig, so der Referent, ist bei Demenzerkrankung eine gute und auch frühe Diagnose, dabei nicht nur eine apparative Diagnostik. Entscheidend ist eine Differentialdiagnose, d.h. demente Verhaltensdomänen anhand von Skalen zu klassifizieren, etwa hinsichtlich Häufigkeit und Schweregrad. Dementsprechend ist die Therapie festzusetzen. Pflegepersonen sollen valide Beschreibungen einem Arzt geben können, Arzt und Pflegekräfte sollen gemeinsam in der Medikamententherapie tätig sein. Gute Medikamententherapie gibt es z.B. in Form von Antipsychotica. Sie sind ein wichtiger Baustein für die Therapie, „ein Segen, wenn damit behutsam umgegangen wird, diese Medikamente grundsätzlich zu verurteilen, ist nicht richtig.“ An nicht-medikamentöser Therapie gibt es u.a. ein auf den Tagesrhythmus der BewohnerInnen abgestimmtes Licht, dieses bringt Verbesserungen etwa bei der Schlafqualität. Wichtig ist auch die Intervention bei Angehörigen, ihre Aufklärung und Einbindung in den Pflegeprozess, das ist oft nicht leicht, ist aber ein entscheidender Teil einer guten Therapie. Wobei subjektive Wahrnehmungen der Angehörigen nicht persönlich genommen werden dürfen.

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DGKP Thomas Petter
, Deeskalationstrainer von der Klinik für Psychische Gesundheit am Krankenhaus St. Josef Braunau, gab Einblicke in die Praxis des Deeskalationsmanagements. Er zeigte verschiedene Deeskalationsstufen, deren Hauptzweck es ist, eskalierendes Verhalten von vornherein zu vermeiden. Dazu gehört u.a. Verhinderung (Vermeidung) aggressionsauslösender Reize, Veränderung der Sichtweisen durch Interpretationen aggressiver Verhaltensweisen, wobei Deeskalation durchaus auch bei Demenzkranken möglich ist, weil ihre Gefühlswelt noch ansprechbar ist. Weiters wichtig ist ein gutes Verständnis der Ursachen und Beweggründe aggressiven Verhaltens, auch kommunikativen Deeskalationstechniken kommt große Bedeutung zu, entscheidend ist hier die erste Kontaktphase, nur so kommt man letztlich in eine Lösungsphase.

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Das SOG.THEATER
aus Wiener Neustadt (Franz Schiefer, Ingrid Hammer, Julia Leichtfried, Susanne Kadletz und Spielleiterin Brigitte Tauchner) brachte mit seinem Stück „Wir sind gleich bei Ihnen!“ interaktives, theaterpädagogisches, herausforderndes Theater, wobei das Publikum in die einzelnen Szenen eingreifen und mitspielen konnte. Realbeispiele aus dem Alten- und Pflegeheimalltag wurden plakativ dargestellt. Die ZuseherInnen machten reichlich Gebrauch verbessernd in die Szenen einzugreifen, das ergab einen äußerst anregenden und kritischen Theaternachmittag und einen guten Abschluss des Franziskanischen Frühjahrssymposiums, das zu weiterem Nachdenken sehr anregend war.

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