Aktuelles

Franziskanisches Frühjahrssymposium 2017


„Wer wird mich einmal pflegen?
Robotik – Fluch oder Segen?”

Mittwoch, 29. März 2017
Seminarhaus St. Klara, Vöcklabruck


Am Mittwoch, 29. März, fand im Seminarhaus St. Klara der Franziskanerinnen in Vöcklabruck das schon traditionelle Franziskanische Frühjahrssymposium statt, das Thema sorgte für sehr großes Interesse. Dr. Günter Jakobi, Geschäftsführer der TAU.GRUPPE.VÖCKLABRUCK, konnte als Vertreterin der Franziskanerinnen von Vöcklabruck Generaloberin Sr. Angelika Garstenauer und Generalsekretärin Sr. Johanna Pobitzer begrüßen. Weitere Ehrengäste waren Bernhard Hatheier, Obmann ARGE Alten- und Pflegeheime OÖ, BH HR Dr. Martin Gschwandtner, Bgm. Mag. Herbert Brunsteiner, Landtagsabgeordneter Hermann Krenn und Martin König, GF SoNe GmbH. Professionell moderiert wurde die Veranstaltung von Mag. Eveline Doll.

Franziskanisches Frühjahrssymposium 2017 Franziskanisches Frühjahrssymposium 2017

Franziskanisches Frühjahrssymposium 2017

Franziskanisches Frühjahrssymposium 2017

Franziskanisches Frühjahrssymposium 2017
Robben-Roboter  

Franziskanisches Frühjahrssymposium 2017
Univ.Prof. Dr. Christoph Gisinger
Franziskanisches Frühjahrssymposium 2017
Mag. Michael Funk
Franziskanisches Frühjahrssymposium 2017
DI Dr. Bernhard Dieber

Franziskanisches Frühjahrssymposium 2017
Univ.Prof. Dr. Christoph Reinprecht

Franziskanisches Frühjahrssymposium 2017
Mag. Daniela Ursprung und Mag. Rosalinde Pimon

 

Referiert zum Thema „Roboter in der Pflege“ haben:

Univ.Prof. Dr. Christoph Gisinger
Haus der Barmherzigkeit
Donau-Universität Krems - Institutsdirektor und Leiter der Akademie für Altersforschung
„Alter schützt vor Technik nicht – über den Einsatz von Technik und Robotik in Betreuungsbereichen”

Mag. Michael Funk
Universität Wien - Institut für Philosophie
„Roboter und assistive Technik in der Pflege – ethische und soziale Herausforderungen”

DI Dr. Bernhard Dieber
Joanneum Research Forschungsgesellschaft mbH
Robotics – Institut für Robotik und Meachtronik
„Der Stand der Robotik und der Einsatz von kollaborativen Robotern in der Rehabilitation und im motorischen Training“

Mag. Rosalinde Pimon und Mag. Daniela Ursprung
Vertretungsnetz Bewohnervertretung
„Robotik in der Altenpflege – Sichtweisen der Bewohnervertretung”


Referiert zum Thema „Migration und Pflege“ hat:

Univ.Prof. Dr. Christoph Reinprecht
Universität Wien - Institut für Soziologie
„Wie sich Migration auf Pflegeerfahrungen und Pflegeerwartung auswirkt.”

 

Roboter in der Pflege kann nie den Menschen ersetzen

Höher entwickelte so genannte humanoide Roboter werden im Pflegealltag erst in 10 oder 20 Jahren in Alten- und Pflegeheimen und Krankenhäusern Einzug halten. Dann aber können sie eine echte Option im Pflegebereich werden, als sogenannte Tandemroboter. Sie werden die Funktion einer „dritten Hand“ übernehmen, bei Pflegetätigkeiten unterstützen, Pflegekräften Arbeit abnehmen, den Pflegealltag erleichtern, Ressourcen schaffen und den Handlungsspielraum von Betreuten und Betreuenden erweitern. Niemals werden und sollen Pflegeroboter aber die Pflegekraft ersetzen und auch nicht die menschliche Zuwendung. Humanoide Roboter sollen mit Armen, Beinen und eventuell Augen ausgestattet sein, nie aber ein menschenähnliches Aussehen haben. Sonst entstehen falsche Projektionsflächen, es entsteht die Gefahr der Vermenschlichung von Robotern mit einhergehenden falschen Hoffnungen, Erwartungen und auch Ängsten der Betreuten. Auch bei den hochkomplexen Robotern hat ihre künstliche Intelligenz sehr wenig mit der menschlichen zu tun, genauso wenig wie die Autonomie des Roboters nicht der Autonomie des Menschen entspricht. Schon im Vorfeld hochkomplexer Pflegeroboter sind die Technikfolgen, die notwendige Anwendbarkeit und die Akzeptanz mit verschiedenen Zielgruppen zu erarbeiten, erst dann soll die Umsetzung erfolgen.
In Robotik spielen Ethik und Ethos eine sehr große Rolle. Für die Zukunft soll es Standards geben für Programmierer, Robotiktechniker sind nicht frei von Verantwortung, es sollte ein allgemeingültiger und internationaler Verhaltenskodex erarbeitet werden, der verpflichtend ist und etwa von der UNO festgelegt wird. Heute gelten die vier Regeln von Isaac Asimov (1920 – 1992).
Regel 1: Ein Roboter darf die Menschheit nicht verletzen oder durch Passivität zulassen, dass die Menschheit Schaden nimmt.
Regel 2: Ein Roboter darf kein menschliches Wesen verletzen oder durch Untätigkeit Schaden in Kauf nehmen (außer Widerspruch zu Regel 1).
Regel 3: Der Roboter darf nur Befehlen von Menschen gehorchen (außer es gibt Widerspruch zu Regel 1 oder 2).
Regel 4: Der Roboter muss seine eigene Existenz schützen, so lange dies nicht mit Regel 1, 2, 3 kollidiert.
Humanoide Pflegeroboter sind also noch Zukunftsmusik, weil noch viele Probleme nicht gelöst sind und auch die Technik noch nicht ausgereift ist: Sie können keine hohen Gewichte tragen, Batterie reicht nur für zehn Minuten, ungeklärte Versicherungsfrage und Sicherheitsanforderungen, ungelöste Manipulationssicherheit, Wahrung der Privatsphäre.
Einfache Roboter in Alten- und Pflegeheimen werden jedoch bald zum Einsatz kommen bzw. sind es schon: emotionale Roboter wie der Robben-Roboter mit Augenaufschlag, Stimme und weichem Fell als Ersatz für Tiertherapie vor allem für Demenzkranke, Entertainment-Roboter mit Musik und Spielen, Telepräsenz-Roboter, gleichsam Skype auf mobiler Plattform, Kamerad-Roboter für Begleitung, Unterhaltung und einfache Information.
Im Haus der Barmherzigkeit in Wien sind zwei Pflegeroboter-Projekte entwickelt worden und implementiert, Hobbit und Henry. Ersterer bewegt sich selbstständig in Wohnungen, bietet Spiele und Unterhaltung, seine Hauptaufgabe aber ist, bei Stürzen durch bildgestützte Sensorik zu erkennen, ob eine Alarmierung per SMS notwendig ist. Bei Stürzen tritt der Roboter in Dialogmodus mit dem Gestürzten. Henry fährt im Haus der Barmherzigkeit herum, übernimmt kleinere Kontrollgänge, dient als Informationsterminal und lernt auch Muster von Bewegungen von Menschen erkennen. Sowohl bei Hobbit als auch Henry war die Reaktion der Pflegekräfte eine eher enttäuschende, die Techniker aber sind begeistert. Gute Einsatzmöglichkeiten für Roboter gibt es zukünftig durch assistive Technik im orthopädischen Rehabilitationsbereich. Hier sind Roboter Trainingspartner bei der Durchführung von Übungen, etwa nach Arm- und Beinoperationen. Die Unterstützung der Mobilität der Betroffenen wird hier gefördert. Doch auch hier gilt: Roboter ersetzt niemals den Therapeuten.
Roboter in der Pflege – in einfacherer Form bald im allgemeinen Einsatz, in hochkomplexer Form Zukunftsmusik. Aber immer steht der Mensch im Mittelpunkt, Pflegeroboter kann immer nur Diener der Betreuenden und der Betreuten sein.


Migration und Pflege

In den österreichischen Großstädten liegt der Anteil von MigrantInnen in Alten- und Pflegeheimen bei ca. 30 Prozent, derzeit gibt es eine starke Zunahme vor allem von Menschen aus Ex-Jugoslawien und der Türkei, auch aus Polen und Rumänien. Migration prägt das Altersbild und die Erwartungen an das Alter. Während im Großen und Ganzen der Unterschied zwischen ÖsterreicherInnen und MigrantInnen hinsichtlich Pflege im Alter geringer ist als man denkt, gibt es durchaus Unterschiede, die auch in der Praxis Beachtung finden sollten. Wobei die Präferenzen von MigrantInnen weniger durch Kultur oder nationale Herkunft bestimmt sind, als vielmehr durch ihre soziale Stellung, Erfahrung und Zugehörigkeit zu soziokulturellen Milieus. Während etwa ÖsterreicherInnen in großer Mehrheit in der Pflege in Heimen monokulturelle Settings bevorzugen, ist das bei MigrantInnen nicht so stark der Fall. Türken erwarten eher Einsamkeit im Alter und haben weniger Erwartung an ihre Freiheit in dieser Lebensphase. Wobei zwischen Migrantengruppen es wieder Unterschiede gibt: Manche bevorzugen in der Pflege im Alter mehr, andere weniger Familienbetreuung. Insgesamt besteht aber hier der größte Unterschied zwischen ÖsterreicherInnen und MigrantInnen. Bei den MigrantInnen ist der Wunsch nach einer 24-Stunden-Betreuung in der eigenen Wohnung durch eigene Familienangehörige oder in der Wohnung der Kinder um sehr vieles höher als bei ÖsterreicherInnen. Auch dass Kinder die Pflegekosten übernehmen, ist ein starker Wunsch der MigrantInnen.
Grundsätzlich sind MigrantInnen eher reserviert gegen Heimaufenthalte und mobile Dienste. Das hat neben der starken Wertigkeit der familiären Solidargemeinschaft auch zu tun mit Angst vor den Kosten, Befürchtungen Formulare nicht zu verstehen, Informationsdefiziten, Sorgen um institutionelle Benachteiligung. Das begründet die Nichtinanspruchnahme institutioneller Leistungen, wobei aber durchaus auch prinzipielle Bereitschaft für diese gegeben ist. Migrantische Ältere sind mit oder fühlen sich durch hohe Schwellen zu den Diensten im Bereich Betreuung/Pflege konfrontiert. Daher ist die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Zugangs zum Thema Migration, der den widersprüchlichen Umgang mit MigrantInnen in Politik und Gesellschaft mit reflektiert, ins Auge zu fassen.

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