Viola Schein: „Es geht darum, für sich selbst einzustehen“
Die Gewinnerin des Redewettbewerbs 2025 der Soroptimistinnen Gmunden, im Portrait
Wenn Viola Schein auf einer Bühne steht, ist von Nervosität kaum etwas zu spüren. Sie spricht klar, bestimmt – und mit einer Botschaft, die sie selbst bewegt. „Grundsätzlich war es mir beim Redewettbewerb sehr wichtig zu vermitteln, wie ich mich fühle“, sagt die 16-Jährige. „Ich glaube, das ist mir gut gelungen, weil viele nach meinem Auftritt meinten, sie hätten meine Gefühle verstanden und gespürt, was ich sagen will.“
Viola wurde am 3. Juni 2009 geboren und besucht die siebte Klasse des Kommunikations- und Medienzweigs im privaten Oberstufenrealgymnasium (ORG) Vöcklabruck des Vereins für Franziskanische Bildung (VfFB). In ihrer Freizeit spielt sie Querflöte oder unternimmt viel mit ihren Freundinnen und Freunden – Skifahren im Winter, Schwimmen im Sommer. Seit ihrem ersten Auftritt beim Landes-Jugendredewettbewerb in Linz ist eine weitere Leidenschaft dazugekommen: das Reden vor Publikum.
„Das war in der fünften Klasse. Zum ersten Mal habe ich vor vielen Leuten auf einer Bühne etwas vorgetragen – und es hat mir von Anfang an richtig Spaß gemacht“, erzählt sie. Damals trat sie in der Kategorie Klassische Rede mit einem Beitrag zum Thema Gendern an.
Ein Jahr später wagte sie einen Schritt weiter. Direktor Gebetsberger schlug ihr vor, zusätzlich beim Redewettbewerb der Soroptimistinnen in Gmunden teilzunehmen. Dort musste sie sich zwischen zwei Themen entscheiden: Frauen und Gewalt oder Frauen und Finanzen. Viola entschied sich für das Thema Frauen und Gewalt. „Ich wollte ehrlich und persönlich schreiben, so nah wie möglich an meinen eigenen Erfahrungen.“
Zum ersten Mal probierte sie dafür das Format Poetry Slam aus. Ihre Inspiration war das Lied Who run the world von Beyoncé – sie stellte sich die Frage: Wer regiert die Welt? Ausgehend davon sprach sie über die subtilen, aber spürbaren Formen von Gewalt, denen Frauen schon im Alltag ausgesetzt sind.
„Mir war wichtig klarzumachen, dass Gewalt an Frauen nicht erst bei großen Schlagzeilen beginnt, sondern schon im Alltag – in Situationen, die viele als normal abtun“, erklärt Viola. Ihre Botschaft ist eindeutig: „Jede Frau hat das Recht, nein zu sagen. Und das Wichtigste ist, für sich selbst einzustehen und klare Grenzen zu setzen.“
Während sie in Linz nicht unter den Erstgereihten war, wurde sie in Gmunden mit dem 1. Platz ausgezeichnet. „Es war für mich kein Verlust, in Linz nichts gewonnen zu haben. Allein die Erfahrung und die Chance, meine Gedanken teilen zu können, war mehr wert als jeder Preis. Aber natürlich habe ich mich umso mehr gefreut, in Gmunden erfolgreich zu sein.“
Das große Finale in Wien steht nun bevor. Dort wird Viola ihre Botschaft noch weitertragen – selbstbewusst, klar und mit dem Wissen, dass Worte bewegen können.
Viola Schein © Ida Mair
Who run the world?
Wer regiert die Welt?
Wohl eher Geld als Mensch,
aber schon gar nicht ich.
Denn wer bin ich?
Ich bin eine Frau,
eine Frau von Vielen.
Eine von denen, wozu erwähnen,
die noch immer nicht gleichberechtigt ist.
Eine von denen, zum Schämen,
für die Gewalt noch immer alltäglich ist.
Eine von vielen, doch nur nicht aufspielen,
die sich noch immer nicht in jeder Situation sicher fühlt…
Auszug aus dem Poetry Slam von Viola Schein

