Sternenkinder: Wenn ein kleines Leben Spuren hinterlässt
Wenn ein kleines Leben Spuren hinterlässt
Es gibt Momente, für die sich keine passenden Worte finden lassen. Eltern haben sich auf ihr Kind gefreut und sich vorgestellt, wie es sein würde, dieses kleine Wesen endlich im Arm zu halten. Doch plötzlich kommt alles anders.
Wenn ein Baby stirbt, bevor das Leben mit ihm richtig beginnen konnte, bleiben bei den Eltern oft vor allem Fragen zurück. Manche Babys versterben bereits in der frühen Schwangerschaft im Mutterleib, andere kommen zu früh auf die Welt und sind nicht lebensfähig. Eine einfühlsame Begleitung kann den Schmerz nicht nehmen. Sie kann jedoch verhindern, dass Eltern damit allein bleiben, und ihnen ermöglichen, aus dieser emotional belastenden Situation wertvolle Erinnerungen mitzunehmen.
Eine stille Geburt ist ein Abschied, den niemand erwartet. Umso wichtiger kann es für die Eltern sein, ihr Kind kennenzulernen, es zu halten und sich auf ganz persönliche Weise von ihm zu verabschieden. In den Krankenhäusern St. Josef Braunau und der Barmherzigen Schwestern Ried sowie im Klinikum Wels-Grieskirchen wird diesem Abschied bewusst Raum gegeben.
Wels-Grieskirchen: Interprofessionelle Begleitung
Am Klinikum Wels-Grieskirchen werden betroffene Familien von interprofessionellen Teams begleitet. Diese gehen davon aus: Je bewusster und selbstbestimmter Familien mit der Situation umgehen können, desto eher können sie die Erfahrung annehmen und in ihr weiteres Leben integrieren. Die Seelsorgerin Rebecca Mair fasst zusammen, was dabei helfen kann:
„Die Eltern sollen über alle medizinisch vertretbaren Möglichkeiten informiert werden, wie sie ihr Kind zur Welt bringen können. Nach der Geburt sollte unbedingt die Möglichkeit bestehen, das Kind in einer geborgenen Umgebung zu sehen oder auch zu halten.“
Fotos des Kindes, ein Kleidungsstück oder ein Stofftier können zu wertvollen Erinnerungsstücken werden. Für die Zeit nach der Geburt ist es für die Angehörigen wichtig, miteinander und mit vertrauten Menschen über ihr verstorbenes Kind zu sprechen.
Sowohl am Welser Stadtfriedhof als auch auf dem St.-Sebastian-Friedhof in Grieskirchen gibt es Grab- und Gedenkstätten für Sternenkinder. An jedem Standort gestaltet die Krankenhausseelsorge mehrmals im Jahr eine interreligiöse gemeinschaftliche Beisetzung für die Sternenkinder, die in den Monaten zuvor verstorben sind.
Die Kindergedenk- und Begräbnisstätte am Friedhof Wels wurde neu gestaltet. Um die dort bestatteten Kinder sichtbar zu machen, besteht nun die Möglichkeit, an einem eigens von einem Künstler gestalteten Schmetterlingsbaum einen Stern oder Engelsflügel aus Holz aufzuhängen. Die Anhänger werden vom Klinikum kostenlos zur Verfügung gestellt und können persönlich gestaltet und beschriftet werden.
Braunau: Zeit für Nähe und Abschied
Im Kreißzimmer des Krankenhauses St. Josef Braunau werden Eltern nach einer späten stillen Geburt – etwa ab der 12. Schwangerschaftswoche – vom Hebammen- und Ärzt:innenteam einfühlsam begleitet.
Eine geschützte Atmosphäre ermöglicht einen sehr persönlichen Abschied und schafft Raum für Nähe, Bindung und ein behutsames Abschiednehmen – etwa im Tuch oder in einem Nest. So kann Nähe zu einem Kind entstehen, das sich auf den Weg ins Leben gemacht hat, aber nicht bleiben konnte.
Auch Erinnerungen dürfen entstehen. Auf Wunsch fertigen die Hebammen oder Sternenkindfotograf:innen Erinnerungsfotos sowie Hand- und Fußabdrücke an. Für manche Eltern sind solche Andenken von unschätzbarem Wert.
Auch unterschiedliche Formen des Abschieds werden berücksichtigt. Bei sehr kleinen Fehl- oder Totgeburten kann im Krankenhaus Braunau beispielsweise die sogenannte Wassermethode angewendet werden. Dabei wird das Baby in Wasser gebettet. Die Haut trocknet dadurch weniger schnell aus, sodass das natürliche Aussehen länger erhalten bleibt. Bei größeren Kindern wird meist Kleidung ausgewählt.
Auch hier steht der individuelle Abschied im Mittelpunkt: Was sich für die Familie richtig anfühlt, soll möglich sein.
Ein Platz für Erinnerung
Der Abschied endet nicht zwangsläufig mit dem Verlassen des Kreißzimmers. Im Krankenhaus St. Josef Braunau findet zweimal jährlich eine Beisetzung am Kindergrab statt. Die betroffenen Eltern werden dazu von der Krankenhausseelsorge eingeladen.
Ein solcher Ort kann von großer Bedeutung sein. Das Kindergrab bietet einen Platz, an dem diese Kinder sichtbar bleiben dürfen und an dem Eltern ihrer Trauer Raum geben können. Das Kindergrab in Braunau soll demnächst neu gestaltet werden.
Ried: Neugestaltete Gedenkstätte
Seit 2001 gibt es im Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Ried die Arbeitsgruppe „Leere Wiege“. Ziel dieser multiprofessionellen Arbeitsgruppe war und ist es, Frauen und ihre Familien vor, während und nach einem Schwangerschaftsverlust bestmöglich zu unterstützen. Neben der medizinischen und pflegerischen Versorgung sowie der umfassenden Betreuung durch die Hebammen können bei Bedarf auch die Krankenhausseelsorge und die Klinische Psychologie einbezogen werden.
Einmal jährlich findet in der Krankenhauskapelle eine Gedenkfeier statt. Liebevoll gestaltete Symbole, berührende Texte und stimmungsvolle Musik prägen die Feier in der Krankenhauskapelle. Sie soll trauernde Eltern dabei unterstützen, ihre Gefühle auszudrücken und den Verlust zu begreifen und zu verarbeiten.
Mit der 2025 neu gestalteten Gedenkstätte für Sternenkinder am Stadtfriedhof Ried ist ein Ort entstanden, der Trost spendet und Erinnerungen bewahrt. Die Gedenkstätte richtet sich an alle Menschen, die um ein Kind trauern, das in einer frühen Lebensphase verstorben ist – unabhängig von Religion, Herkunft oder Kultur. Sie setzt ein sichtbares Zeichen für Anerkennung, Mitgefühl und eine Liebe, die bleibt.
Die Neugestaltung mit ihrer besonders einfühlsamen Symbolik – darunter eine Klagemauer, ein Haselstrauch sowie Elemente von Licht und Dunkelheit – wurde von Hartmut Hintner in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe „Leere Wiege“ des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern Ried umgesetzt.
„Die Gedenkstätte für Sternenkinder ist ein geschützter Raum für Trauer und Ausdruck unserer gelebten Werte“, betont Mag. Daniel Neuböck, Wertevorstand des Krankenhauses. „Sie zeigt Mitgefühl – und bleibt.“
Text: Magdalena Wilhelm
Foto oben: Lisa Marie Liebig – UnSplash
Friedhof Wels: Sterne und Engelsflügel zur Erinnerung. Foto: Rebecca Mair
Kindergrab in Braunau – ein Platz, an dem Sternenkinder sichtbar bleiben und Eltern ihrer Trauer Raum geben können. Foto (c) Evangelos Vlasopoulos
Gedenkstätte für Sternenkinder am Stadtfriedhof Ried: geschützter Raum für Trauer. Foto: Hirnschrodt e.U.




