Veränderung – Manches bleibt. Manches wächst. Manches wird neu. – Herbstimpuls
Seit gut einem halben Jahr darf ich den Frei.Raum als Leiterin begleiten und mitgestalten. In dieser Zeit hat sich einiges bewegt – und doch ist vielleicht gerade das Bemerkenswerte daran, dass es keine großen Umbrüche waren.
Vieles geschieht leise: kleine Veränderungen im Hintergrund, neue Abläufe, andere Blickwinkel, manches, das sich erst im Tun entwickelt. Veränderung ist also längst Teil unseres Weges.
Dabei ist mir wichtig, dass Veränderung nicht bedeutet, alles Bestehende auf den Kopf zu stellen. Gerade an einem Ort wie dem Frei.Raum gibt es vieles, das über Jahre gewachsen ist und den Menschen lieb und vertraut geworden ist. Es gibt Veranstaltungen, Traditionen und Begegnungen, die tragen – und deshalb auch weiterhin ihren festen Platz haben.
Gleichzeitig darf Neues entstehen.
Das zeigt sich auch in unserem Jahresprogramm 2026/27: Bewährtes findet sich neben neuen Angeboten.
Auch unsere neu gestaltete Website möchte sichtbarer machen, was der Frei.Raum alles sein kann: ein Ort für unsere eigenen Veranstaltungen, ein Raum, den externe Veranstalter:innen für Seminare, Workshops und andere Angebote anmieten können, oder ein Ort, an dem man für ein paar Tage zur Ruhe kommen und Kraft schöpfen darf. Auch neue „Begleiter:innen“ mit passenden Angeboten sind dazugekommen.
Veränderung braucht Mut, Geduld und Vertrauen.
Wenn viele Menschen mit ihren Erfahrungen, Ideen und Vorstellungen beteiligt sind, braucht es Zeit, bis sich etwas neu fügt. Nicht alles muss sofort geschehen. Nicht alles, was neu ist, ist automatisch besser.
Vielleicht ist das auch ein guter Moment, den Blick vom Frei.Raum auf das eigene Leben zu richten.
Ein Gedanke, der mich dabei begleitet, lautet:
„Veränderung ist dir sicher, egal wohin du gehst. Du hast immer nur zwei Möglichkeiten: Entweder du kämpfst gegen jede Art der Veränderung an und verschleuderst all deine Energie. Oder du wirst selbst zur Wandlerin, zum Wandler deiner Geschichte.“
(aus dem Buch „Wenn ein Satz dein Leben verändert“ von Melanie Pignitter)
Das klingt erstmals ganz einleuchtend – doch bevor wir zur Wandlerin oder zum Wandler unserer Geschichte werden, kommt oft erst einmal der Widerstand.
Und das ist ganz menschlich.
Veränderung bedeutet, vertrautes Terrain zu verlassen. Wir wissen, was wir haben – aber nicht, was das Neue bringen wird. Das kann Angst machen und uns verunsichern. Manchmal halten wir deshalb sogar an Situationen fest, von denen wir längst wissen, dass sie uns nicht guttun. Nicht unbedingt, weil wir sie behalten wollen, sondern weil das Vertraute sicherer erscheint als das Unbekannte.
Vielleicht dürfen wir deshalb erst einmal freundlich mit unserem eigenen Widerstand sein.
Ihn wahrnehmen, ohne uns dafür zu verurteilen, und uns fragen: Wovor habe ich eigentlich Angst? Was möchte ich bewahren? Und was könnte mir helfen, einen nächsten Schritt zu wagen?
Dafür braucht es Mut. Mut bedeutet allerdings nicht, keine Angst zu haben. Mut bedeutet, trotz der Angst offen zu bleiben für das, was entstehen möchte.
Und dazu gehört Vertrauen.
Aber wie gelingt es, dem eigenen Weg zu vertrauen, wenn wir noch gar nicht wissen, wohin er führt?
Da kommt mir das Bild eines Flusses in den Sinn.
Ein Fluss bleibt niemals stehen. Er fließt, manchmal ruhig und sanft, manchmal kraftvoll und ungestüm. Er kennt nicht den geraden Weg. Er trifft auf Steine, Wurzeln und Felsen, muss Hindernisse überwinden und findet dabei immer wieder eine neue Richtung. Manchmal teilt er sich, manchmal wird sein Lauf enger, manchmal breiter. Und doch fließt er weiter.
Ist nicht unser Leben manchmal genau so?
Wir können nicht immer bestimmen, was uns auf unserem Weg begegnet. Wir können nicht jedes Hindernis aus dem Weg räumen und nicht wissen, was hinter der nächsten Biegung liegt. Aber wir können entscheiden, wie wir damit umgehen.
Der Fluss kämpft nicht gegen den Stein. Er sucht sich seinen Weg um ihn herum.
Vielleicht liegt darin eine Form von Vertrauen: nicht darauf zu vertrauen, dass alles so kommt, wie wir es geplant haben, sondern darauf, dass wir unseren Weg finden werden – auch wenn er anders verläuft als gedacht.
Was kann dabei helfen?
Manchmal ein Mensch, der uns zuhört und ein Stück mitgeht. Manchmal ein Moment der Stille, in dem wir wieder spüren, was uns trägt. Ein Gebet. Der Blick zurück auf das, was wir schon geschafft haben. Oder einfach der Mut, nicht den ganzen Weg kennen zu müssen, sondern nur den nächsten Schritt.
Wir müssen nicht wissen, wohin der Fluss am Ende führt. Meist genügt es, darauf zu vertrauen, dass sich hinter der nächsten Biegung wieder ein Stück Weg zeigen wird.
Auch im Frei.Raum gehen wir diesen Weg: achtsam, Schritt für Schritt. Wir möchten Bewährtes bewahren, Neues wagen und offen bleiben für das, was entstehen möchte.
So wie im Frei.Raum dürfen wir uns auch im eigenen Leben immer wieder fragen:
Was darf bleiben?
Was darf wachsen?
Und was darf neu werden?
Möge es uns gelingen, dem Fluss des Lebens immer wieder zu vertrauen und sich immer wieder auf Veränderungen einzulassen, ohne in den Widerstand zu gehen. Auch dann, wenn wir die nächste Biegung noch nicht sehen.

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