Elisabeth Lanner: „Im Hort ist man näher dran am Leben der Kinder.“

Seit Herbst 2025 leitet Elisabeth Lanner, 61, den Hort des Vereins für Franziskanische Bildung in Wels. Ihr beruflicher Weg ist geprägt von Brüchen, Entscheidungen und mehreren bewussten Neustarts.

Ursprünglich studierte die gebürtige Grazerin Musik und Germanistik, unterrichtete an einer AHS und ging dann bald nach Bayern. Dort gründete sie eine Familie und blieb mehr als dreißig Jahre. „Fast mein ganzes Berufsleben war ich dort.“ Doch die Rahmenbedingungen waren schwierig: Ihr österreichisches Studium wurde nicht anerkannt, feste Verträge waren selten. Also begann sie, sich neu zu orientieren.

Der Impuls kam aus dem Privaten. Auf der Suche nach Unterstützung für die Dyskalkulie eines ihrer beiden Söhne stieß sie auf eine Ausbildung zur Dyskalkulie- und Legasthenie-Trainerin. Sie absolvierte ein Fernstudium und gründete eine eigene Praxis. „Die war von Anfang an sehr gut ausgelastet.“ Dann kam Corona. Von einem Tag auf den anderen musste sie schließen. Parallel dazu lief ihre Scheidung. Wieder stand sie am Anfang.

Gemeinsam mit ihrem älteren Sohn kehrte sie nach Österreich zurück. Er erhielt einen Ausbildungsplatz an der BAfEP Amstetten des VfFB, sie eine Anstellung. „Das war für uns ein Zeichen.“ Sie ließen sich in der Region nieder – und Elisabeth Lanner startete beruflich wieder neu.

Angekommen im Hort

Ihr erster Job war jener als Hortpädagogin in Steyr. Dort wurde ihr klar: „Das ist eigentlich das Berufsfeld, das ich mein Leben lang gesucht habe.“ Im Hort könne sie alles verbinden – pädagogische Erfahrung, Musikalität, Kreativität und intensive Beziehungsarbeit. Eine spätere Möglichkeit, wieder als Lehrerin zu arbeiten, schlug sie aus. Stattdessen übernahm sie die Leitung des Horts des VfFB in Wels, die sie wesentlich mehr reizte: „In der Schule bist du eine von vielen. Im Hort ist man viel näher dran.“ Näher an den Kindern, an ihren Geschichten, an ihren Familien. Diese Nähe versteht sie als Verantwortung.

Herausforderung Digitalisierung

Kinder wachsen heute selbstverständlich mit digitalen Medien auf. „Man kann sich aber auch ohne Handy beschäftigen. Unsere Welt ist so schön, das können viele Kinder überhaupt nicht mehr wahrnehmen!“ Analoge Kompetenzen würden weniger, beobachtet sie. Gleichzeitig erlebt sie bei ihrem 87-jährigen Vater, wie herausfordernd Digitalisierung für ältere Menschen sein kann. Zwischen diesen beiden Welten – der digitalen und der analogen – sieht sie ihren Auftrag: Orientierung geben, Werte vermitteln, Lebensqualität erfahrbar machen.

Berufsmüde ist sie mit ihren 61 Jahren überhaupt nicht, im Gegenteil. „Neues zu lernen, mich weiterzuentwickeln, ist mein Hobby!“ Sie lernt mit einer App Italienisch und Spanisch, probiert neue Instrumente aus, baut sich ihr eigenes Glashaus im Garten, pflegt ihre Hochbeete und kocht leidenschaftlich gern.

Und was bringt es, älter zu sein? „Man hat ein paar Updates mehr“, sagt sie lachend. Erfahrung helfe, Situationen einzuordnen. Gleichzeitig müsse man wach bleiben, offen für neue Lebensrealitäten – gerade jene junger Familien.

Elisabeth Lanners Weg zeigt: Ein Neustart ist immer möglich. Und manchmal beginnt das, was wirklich passt, erst dann, wenn man glaubt, das Seine schon längst gefunden zu haben.

Elisabeth Lanner (c) privat

Immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen: Elisabeth Lanner, 61, leitet den Hort des VfFB in Wels.

Foto (c) privat

Dieser Beitrag erscheint im FranziskanerinnenMagazin 1/2026.

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