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Sebastian Schwarz Gedenkwoche

Zum Abschluss der Sebastian-Schwarz-Gedenkwoche haben wir noch ein kurzes Video gedreht: Sr. Angelika Gastenauer beantwortet drei Fragen zu unserem Gründer und seiner Bedeutung für uns heute.

 

(20.05.2020) Letzte Lebenstage

Am 8. Februar 1870 kam Sebastian Schwarz von einer ausgedehnten Romreise zurück nach Vöcklabruck, Die Schwestern waren froh, ihn wieder in ihrer Mitte zu wissen, bemerkten aber einige Veränderungen an ihm. Freilich kannten sie ihn auch bisher schon als jemanden, der trotz aller Klarheit, mit denen er seine Ziele verfolgte, durchaus liebevoll und gütig im Umgang war. Nach seiner Rückkehr strahlte er eine neue Ruhe und Tiefe seiner Gottesbeziehung aus und „so manche Äußerungen von ihm gaben zu erkennen, dass sein Geist mit der Ewigkeit beschäftigt sei.“

Am 4. Sonntag nach Ostern nach dem Mittagessen war er noch bei den Schwestern im Garten und bot ihnen für die Privatschule, die sie im Jahr 1868 erhalten hatten und in der Platzmangel herrschte, seine eigene Wohnung an und sagte unter anderem: „Ich gehe in die Stadt hinaus und werde mich mit einer kleinen Wohnung begnügen.“ Er hielt dann wie gewöhnlich den heiligen Segen und fuhr danach nach Puchheim, um durch Vermittlung der Redemptoristen dort ein schönes, großes Kruzifix für den Garten zu bestellen.

Dies war seine letzte Handlung, denn er kam abends mit hohem Fieber krank zurück. Sein Zustand verschlechterte sich rasch und wie in seinem ganzen Leben duldete er still in Demut und gänzlicher Gottergebenheit seine Schmerzen und Leiden, empfing die Sterbesakramente und fast immer betend starb er mit den letzten Worten „Jesus, erbarme dich meiner!“ am 14. Mai 1870.

„So hat es dem Herrn über Leben und Tod gefallen, den edlen Stifter … heimzuholen ins himmlische Vaterhaus, um dort tausendfach zu ernten, was er hier im Schweiße seines Angesichts unter Kummer und Sorgen mühsam gesät hat“, schreibt Sr. Franziska Wimmer in ihrer Chronik.

(19.05.2020) Schöpfung

Schon während seiner Ausbildung zum Priester zeigte Sebastian Schwarz besonderes Interesse für die landwirtschaftlichen Fächer, wie aus seinen Zeugnissen hervorgeht. Nicht nur die Selbstversorgung mit Lebensmitteln war dabei für ihn wichtig, sondern auch der Blick für die Zusammenhänge in der Natur und die Schönheit der Schöpfung. So kaufte er etwa 1859 ein Grundstück, um den Garten für Kinderbewahranstalt und Kloster zu erweitern. Er pflanzte dort Obstbäume und an der Gartenmauer Weinstöcke, hatte mehrere Bienenstöcke, die Kinder und Kloster mit Honig und Wachs versorgten, und betrieb eine Blumenkultur. Daneben gelang es auch, Orangen- und Zitronenbäume zu ziehen – „mit den herrlichsten Früchten“, wie Sr. Franziska schreibt. Unter der Anleitung von Sebastian Schwarz wurde von den Schwestern eine Seidenraupenzucht betrieben, wozu der Garten reich mit Maulbeerbäumen bepflanzt worden war. Für die Lieferung der Kokons erhielt das Institut sogar zwei Diplome.

(18.05.2020) Spirituelle Grundausrichtung

Schon in seinen ganz frühen Predigten, in denen Sebastian Schwarz als Aushilfspriester den Leuten in Mauthausen oder St. Magdalena von Gott und seiner Beziehung zu den Menschen erzählte, wird deutlich, wie wichtig es ihm war, Gott nicht als jemanden zu beschreiben, der weit weg im Himmel thront und richtend und strafend auf die Menschen schaut. Gott ist einer, der in Jesus selbst Mensch geworden ist und damit alles Leiden und alle Freude der Menschen kennt und mitfühlt. Gott ist einer, der sich nicht in Wundern und außerordentlichen Ereignissen zeigt, sondern erfahrbar wird mitten im Alltag, wenn wir ihn aufmerksam leben. Gott ist einer, der nicht unberührbar bleibt für die Menschen, sondern da ist in der einfachen Gestalt des Brotes. Gott ist einer, der die Menschen nicht nur einlädt, ihm in Gebet und Meditation zu begegnen, sondern der aufruft zu ganz konkreter Nächstenliebe, die sich ausdrückt im Einstehen füreinander und konkreter Hilfe, wo sie nötig ist.

Diese Grundausrichtung hat Sebastian Schwarz auch den Schwestern seiner Gemeinschaft mitgegeben und sich von Anfang an darum gekümmert, dass sie ihre vielen Aufgaben für die und mit den Menschen und die Beziehung zu Gott wie zwei Seiten einer Medaille leben konnten. Mitten in der ersten Bauphase der Kinderbewahranstalt und des Klosters sorgte er dafür, dass eine provisorische Kapelle eingerichtet wurde, in der die Schwestern sich zum Gebet versammelten. „In seiner väterlichen Liebe und Sorgfalt benützte er“, wie Sr. Franziska Wimmer schreibt, „das herannahende Fest des heiligen Vaters Franziskus (von Assisi), das die Schwestern hier das erste Mal feiern sollten, und beeiferte sich, ihnen bis zu diesem Tag diese Freude zu bereiten.“ Kurzerhand wurde ein Schlafzimmer mit einer Bretterwand abgeteilt und ein Teil des Raumes als Gebetsraum gestaltet und am Vorabend des Festtags von Sebastian Schwarz feierlich geschmückt – sehr zur Freude der Schwestern.

(17.05.2020) Sammelreisen

Sebastian Schwarz setzte sowohl für den Aufbau und die Führung der Kinderbewahranstalt als auch für die Gründung der Ordensgemeinschaft, die bei den Vöcklabrucker Gemeindepolitikern nicht nur auf Zustimmung stieß, sein gesamtes persönliches Vermögen und das Erbe des Vaters ein und suchte auch anderweitig Unterstützung. Deshalb unternahm er in den Jahren 1843 und 1844 Reisen nach Wien, Salzburg, Böhmen und Mähren, wo er viele Entbehrungen und Kälte zu ertragen hatte. In einem seiner Tagebucheinträge notiert er, dass ihm immer wieder die Stiefel an der Hose festfroren, was das viele Stiegensteigen bei den Besuchen möglicher WohltäterInnen sehr beschwerlich machte. Über die Frostbeulen und Blasen, die er sich bei seinen Reisen zuzog, sagte er einmal, dass diese Leiden ihm nichts bedeuten verglichen mit der Freude über das Wachstum des Institutes und der Gemeinschaft. Besondere Unterstützung fand Sebastian Schwarz bei einigen Mitgliedern des kaiserlichen Hofes in Wien. Dort wurde er auch in seinem Plan ermuntert, die Pflege der Kinder in der Bewahranstalt einer Gemeinschaft der Schulschwestern zu übergeben.

Auch in späteren Jahren bildeten die Sammelreisen von Sebastian Schwarz eine wichtige Einnahmequelle für Bewahranstalt, Schule und Schwesterngemeinschaft. Sie stellten aber auch die Ausstattung der Gemeinschaft mit den nötigen Gegenständen und Kleidungsstücken für die Messfeier und die Kapelle des Klosters sicher. Während Sebastian Schwarz weit ausgedehnte Reisen unternahm, waren die Schwestern in den Pfarren des Bezirks Vöcklabruck auf Sammlung unterwegs „getrost im Herrn, wenn sie unter Schneegestöber in weitem Felde und freiem Himmel seine Nähe fühlten“, wie Sr. Franziska Wimmer wohl ein bisschen euphorisch schreibt.

 

(16.05.2020) Sr. Franziska Wimmer, die erste Kandidatin

Auf einer seiner Sammelreisen für die Kinderbewahranstalt in Vöcklabruck kam Sebastian Schwarz 1843 in die Pfarre Waizenkirchen, um Lebensmittel- und Geldspenden zu erbitten. Dabei wurde er auf die Näherin Franziska Freinbichler aufmerksam gemacht, die ihren alten und kranken Vater pflegte und nebenbei den täglichen Lebensunterhalt durch Handarbeiten verdiente. Durch eine Witwe unterstützt, der die Ausbildung der jungen Frau ein Anliegen war, hatte sie feinere Handarbeiten wie Perlen- und Straminstickerei erlernt, Fähigkeiten, die sie nun gegen geringes Entgelt an die Mädchen des Ortes weitergab. Mit der Zeit hatte sich um Franziska Freinbichler ein Kreis junger Frauen gebildet, die an Sonntagen und nach der Alltagsarbeit nicht nur in den kunstfertigen Umgang mit Nadel und Faden eingeführt, sondern auch zur Vertiefung ihres religiösen Lebens ermuntert wurden: gemeinsam beteten sie Litaneien und den Rosenkranz und pflegten die Herbergsandacht im Advent.

Als Sebastian Schwarz in diesem Kreis seine Einladung aussprach, mit ihm gemeinsam die Kinderbewahranstalt in Vöcklabruck zu leiten und eine Schwesterngemeinschaft aufzubauen, wäre Franziska Freinbichler gerne bereit gewesen, diese Aufgabe zu übernehmen. Durch die Sorge um ihren kranken Vater wurde sie aber davon abgehalten, ihren Heimatort zu verlassen. Eine andere Frau aus ihrem Kreis aber, Juliane Wimmer, wurde durch die Bitte von Sebastian Schwarz ebenfalls angerührt und entschloss sich, ihr Leben in den Dienst der Verwirklichung seines Planes zu stellen. Damit wurde sie zur ersten Kandidatin der Ordensgemeinschaft, der bald eine zweite Frau, Maria Anna Stelzhammer, folgte.

 

(15. Mai 2020) Soziale Situation, Gründung der Kleinkinderbewahranstalt

Die Geschichte unserer Gemeinschaft beginnt Mitte des 19. Jahrhunderts in Vöcklabruck, einem kleinen Ort ohne große Besonderheiten mit gut 900 EinwohnerInnen – so beschreiben ihn zumindest zeitgenössische Quellen. Alle vierzehn Tage fuhr ein Bote nach Linz, jeden Samstag war Garnmarkt und der große Bleichplatz zeigte ebenso wie die Baumwollfabrik am Stadtplatz, dass die Textilindustrie im Hausruckviertel angekommen war. Es war eine vertraute Welt, in die Sebastian Schwarz 1840 als junger Priester kam, denn sie glich seiner Heimat. Darum fand er schnell die richtigen Worte, um den Menschen das Evangelium zu verkünden, wusste um ihre Wünsche und Hoffnungen, um ihre Nöte und Sorgen und begegnete ArbeiterInnen und BürgerInnen mit der gleichen Wertschätzung. Er hatte aber auch einen wachen Blick für das Schwere, das den Menschen zu schaffen machte: lange Arbeitszeiten von fünf Uhr Früh bis acht Uhr abends – nur für Kinder unter 12 Jahren durfte sie 13 Stunden am Tag nicht übersteigen –, geringen Lohn und oft monatelange Arbeitslosigkeit. Er ging der Not nach, besuchte die kleinen, meist hölzernen Häuser in der Umgebung der Stadt, in denen oft zwei oder drei der Spinner- und Weberfamilien lebten, lernte die kleinen Kinder kennen, um die sich tagsüber niemand kümmern konnte, und die kranken und alten Leute, die auf sich selbst gestellt waren.

Hilfe tat not – Hilfe, die über eine kleine finanzielle Unterstützung hier und dort hinausging und die Sebastian Schwarz nicht alleine leisten konnte und wollte. So reifte sein Entschluss, Schwestern nach Vöcklabruck einzuladen, die gemeinsam mit ihm „um der Liebe Christi willen“ arbeiteten und mithalfen, die Lebensumstände der Menschen zu verbessern. Aber bis dahin sollte es noch eine Weile dauern und so gründete Sebastian Schwarz zunächst für die ganz Kleinen eine Bewahranstalt nach den Grundlinien der zeitgenössischen Kleinkindpädagogik. Zwei Frauen kümmerten sich um die körperliche und geistige Entwicklung der Mädchen und Buben und sollten sich besonders die „Ausbildung des Herzens“ zum Anliegen machen. Kinder von zwei bis sechs Jahren wurden unentgeltlich aufgenommen, von sechs Uhr Früh bis zum Abend, wenn die Eltern von der Arbeit nach Hause gingen, manchmal auch für ein paar Tage, wenn es notwendig war. Unterstützt wurde Sebastian Schwarz dabei auch von WohltäterInnen aus der Gemeinde, die nicht nur den täglichen Betrieb durch Geldspenden sicherstellen halfen, sondern auch Kleidung, Schuhe und Spielsachen für die Kinder schenkten.

 

(14. Mai 2020)

Am 14. Mai 1870 – genau vor 150 Jahren – ist Sebastian Schwarz, der Gründer der Franziskanerinnen von Vöcklabruck, gestorben – nach einem Leben voller Engagement für die Menschen am Rand und für die Schwesterngemeinschaft. Dieser Tag soll auch dieses Jahr Anlass sein, uns an ihn zu erinnern, dankbar auf sein Leben zu schauen und mit Mut und Vertrauen die Zukunft unserer Gemeinschaft zu gestalten. Mehr darüber lesen Sie morgen hier!

Am 14. Mai 1870

ist Sebastian Schwarz, der Gründer der Franziskanerinnen von Vöcklabruck, gestorben – nach einem Leben voller Engagement für die Menschen am Rand und für die Schwesterngemeinschaft. Der Todestag unseres Gründers soll auch dieses Jahr Anlass sein, uns an ihn zu erinnern, dankbar auf sein Leben zu schauen und mit Mut und Vertrauen die Zukunft unserer Gemeinschaft zu gestalten.

Sebastian Schwarz in 1:30 min – zum 150. Todestag ihres Gründers haben die Franziskanerinnen von Vöcklabruck dieses Video gedreht.

Das Video wurde mit gemafreier Musik von www.frametraxx.de erstellt.