Festgesteckt
Ich nehme den Kugelschreiber zur Hand, um meine Gedanken zu ordnen; und lege ihn wieder weg. Will ich das wirklich? – So ging es mir als junge Ordensfrau mit 25 Jahren. Es ging darum, ob ich in die nächste Ausbildungsstufe aufgenommen werde. Man wird nämlich nicht von heute auf morgen Ordensfrau. Es ist ein Lebensweg zum Hineinwachsen, der auch strukturell mehrere Etappen hat. Wir nennen das die „Ordensausbildung“. Eine wesentliche Etappe am Beginn ist das Noviziat. Um in das Noviziat aufgenommen zu werden, musste ich ein schriftliches Ansuchen an die Ordensleitung richten. Und das war die Frage. Wollte ich wirklich ins Noviziat kommen? Wo doch die zwei Novizinnen, die ich gekannt hatte, die Gemeinschaft verlassen hatten!
Ich steckte fest. Um mein ersehntes Ziel zu erreichen, als Ordensfrau mit Gott an der Seite der Menschen zu sein, musste ich Novizin werden. Aber die zwei Frauen vor mir beendeten im Noviziat ihren Weg in der Gemeinschaft. Selbst kam ich nicht recht weiter. An diesem Tag hörte ich in der hl. Messe die gut bekannten Worte des Engels zu Maria: „Fürchte dich nicht!“ Sie enthielten keine neue Information für mich, trafen mich jedoch mitten ins Herz. Dieses „Fürchte dich nicht!“ galt mir. Es löste meine Starre auf. Ich konnte auf Gott vertrauen, dass er mich in seiner Liebe auf gute Wege führt, Wege des Heils. Mit dem „Fürchte dich nicht!“ im Herzen konnte ich vertrauensvoll mein Ansuchen schreiben.
Ich ging den eingeschlagenen Weg weiter. Von Zeit zu Zeit hörte ich die Worte des Engels in meinem Herzen und ließ mich von ihnen bewegen. Vor nunmehr zehn Jahren legte ich meine Profess auf Lebenszeit ab und band mich dadurch für die Zeit meines Lebens an Gott in der Gemeinschaft der Franziskanerinnen von Vöcklabruck. Das Ziel, Ordensfrau zu sein, habe ich erreicht. Und doch ist es kein fertiger Zustand, sondern ein alltägliches Gehen in den Fußspuren Jesu.
Hin und wieder braucht jeder Mensch so einen Ermutigungs- und Vertrauens-Schub. Hören wir genau hin, wenn Gott zu uns spricht: „Fürchte dich nicht!“
Sr. Julia Gold
