Franziskus und das Vertrauen: Eine Inspiration für die heutige Zeit

Kann ich heute noch vertrauen, oder ist Vertrauen nur etwas für Gestrige, Naive, Blauäugige? Stehe ich auf der richtigen Seite, wenn mir Vertrauen wichtig ist? Diese Fragen stellen sich wahrscheinlich viele von uns – im Hinblick auf Krieg, wirtschaftliche Unsicherheit, Doppelmoral und vieles andere mehr.

 

Franz von Assisi ist für mich ein Beispiel dafür, dass es sich auch heute lohnt, auf Vertrauen zu bauen. Sein Leben ist ein Beispiel für den Mut, in völligem Vertrauen auf Gott zu leben. Franziskus, geboren als Giovanni di Pietro di Bernardone, wächst gut behütet und verwöhnt im Wohlstand auf. Schon als Jugendlicher erkennt er jedoch, dass dieses Leben nicht unbedingt sinnerfüllt ist, dass es „mehr“ geben muss. Seine Entscheidung, einen Lebensweg jenseits von materiellem Reichtum und Absicherung zu wählen, wird zur Quelle seines Vertrauens – sowohl in Gott als auch in die Menschen.

 

Sein Weg des Vertrauens beginnt mit einer tiefen Sinnkrise, die ihn offen macht, Gottes Impulse aufzunehmen. Diese Offenheit führt ihn zu der Erfahrung, dass Herzensfriede und Vertrauen nicht von äußeren Umständen abhängen, sondern von der inneren Haltung. Eine Erkenntnis, die hilfreich ist für unsere heutige Zeit, in der viele Menschen mit Unsicherheiten und Ängsten kämpfen. Franziskus zeigt uns, dass Vertrauen auf Gott gerade in unsicheren Zeiten Halt geben kann.

 

Ein zentraler Aspekt in Franziskus’ Leben ist die Art und Weise, wie er seinen Mitgeschöpfen begegnet. Er erkennt Gott in jedem Lebewesen. Die berühmte Legende vom Wolf von Gubbio ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür: Anstatt Gewalt anzuwenden, sucht Franziskus den Dialog und vermittelt Frieden zwischen den Menschen und dem Wolf. Diese Haltung des Verständnisses und der Versöhnung lehrt uns, dass Vertrauen oft der Schlüssel ist, um Konflikte zu lösen und Gemeinschaft zu fördern.

 

Franziskus’ Vertrauen zeigt sich auch in seinem Umgang mit dem Leiden. Er macht deutlich, dass auch das Leid zu unserem Leben gehört – nicht, dass wir es suchen sollen, sondern dass wir es im Vertrauen auf Gott und mit dem Beistand unserer Mitmenschen annehmen.

 

Armut ist für Franziskus kein Zeichen der Schwäche, sondern ein bewusstes Bekenntnis zur Abhängigkeit von Gott und den Menschen. Wir leben in einer Gesellschaft, die materielle Werte oft über alles andere stellt. Franziskus lädt uns ein, unser Verhältnis zu Besitz und Konsum zu überdenken: vielleicht weniger anhäufen und mehr teilen.

 

Das Vertrauen in die Fürsorge Gottes kann uns helfen, großzügiger und bedingungsloser zu leben – zum Wohl anderer und auch zu unserem eigenen.

 

Ich bin überzeugt, dass das Leben des Franz von Assisi ein zeitloses Beispiel für echtes Vertrauen ist. Er ermutigt uns, aktiv für eine Welt einzutreten, in der Vertrauen und Mitgefühl die Grundlage unseres Miteinanders bilden.

 

Also: Lassen wir uns von Franziskus’ Lebensweg inspirieren und bringen wir sein Erbe in unsere heutige Lebenswelt. Es wird uns guttun.

 

Sr. Teresa Hametner

Sr. Teresa Hametner (c) Fischbacher

Impuls von Sr. Teresa Hametner

Foto (c) Fischbacher

Teile deine Gedanken