Vertrauen – eine Kraft, die trägt

Vertrauen – wir verwenden diesen Begriff oft, und doch hat er eine große Tiefe. Jeder Mensch sehnt sich danach: nach Vertrauen in Beziehungen, nach Vertrauen in das Leben und nach einem Vertrauen, das auch dann trägt, wenn vieles unsicher erscheint.

Wir erleben derzeit Kriege, große Umbrüche und Entwicklungen, die Angst machen können. Gerade wenn Sicherheiten brüchig werden und die Zukunft ungewiss scheint, spüren wir, wie wichtig Vertrauen ist. Es gibt uns Halt, Orientierung und Mut. Vertrauen ist eine Kraft, die nicht laut ist. Es wächst leise – in Begegnungen, in Erfahrungen, manchmal auch in schwierigen Situationen.

 Vertrauen wächst in Beziehungen

Vertrauen entsteht nicht von selbst. Es wächst dort, wo Menschen einander begegnen, einander zuhören und einander ernst nehmen – in Freundschaften, in Familien, in Gemeinschaften. Vertrauen bedeutet auch, einander etwas zuzutrauen: Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und gemeinsam Wege zu suchen.

Bei uns Franziskanerinnen von Vöcklabruck spielt Vertrauen eine zentrale Rolle. „Allein das Vertrauen auf den Herrn ist uns Stütze und Halt.“ Dieses Wort unserer Mitgründerin Sr. Franziska Wimmer begleitet uns in diesem Jahr besonders. Wir haben es als Leitsatz gewählt, weil es eine Haltung beschreibt, die unsere Gemeinschaft seit ihren Anfängen prägt.

Gemeinschaft kann nur dort wachsen, wo Menschen bereit sind, einander zu vertrauen und sich aufeinander einzulassen. Das bedeutet nicht, dass immer alles einfach ist oder dass es keine unterschiedlichen Meinungen gibt. Vertrauen zeigt sich gerade darin, dass wir auch mit Verschiedenheit umgehen können, im Gespräch bleiben, einander respektieren und dennoch verbunden bleiben.

Vertrauen als Haltung des Glaubens

Für mich ist Vertrauen eng mit meinem Glauben verbunden. Der heilige Franziskus hat ein großes Vertrauen in Gott gelebt. Er war überzeugt, dass Gott uns Menschen begleitet – auch dort, wo der Weg unsicher erscheint.

Dieses Vertrauen bedeutet nicht, dass alle Fragen sofort beantwortet sind. Es bedeutet vielmehr, darauf zu vertrauen, dass Gott mit uns unterwegs ist. Dass er uns Kraft gibt, auch schwierige Situationen auszuhalten und neue Schritte zu wagen.

Gerade in Zeiten der Unsicherheit kann dieser Glaube eine wichtige Quelle sein. Im Gebet, in der Stille und im gemeinsamen Glauben dürfen wir immer wieder neu erfahren, dass uns dieses Vertrauen trägt. Es schenkt Gelassenheit und eröffnet neue Perspektiven – auch dann, wenn wir den Weg noch nicht ganz sehen.

Vertrauen braucht Mut

Vertrauen ist nicht selbstverständlich. Manchmal wurde Vertrauen enttäuscht. Manchmal fällt es schwer, sich erneut darauf einzulassen. Gerade dann braucht Vertrauen Mut – den Mut, sich wieder zu öffnen und neue Erfahrungen zuzulassen.

Auch unsere Ordensgeschichte ist von solchen Schritten geprägt. Unser Gründer Sebastian Schwarz, die Mitgründerin und erste Schwester Franziska Wimmer und viele Schwestern nach ihr haben immer wieder Neues gewagt: Schulen gegründet, soziale Einrichtungen aufgebaut, Menschen mit großer Leidenschaft begleitet. Oft wussten sie nicht genau, wohin der Weg führen würde. Aber sie hatten Vertrauen – in Gott und in die Menschen.

Dieses Vertrauen hat vieles möglich gemacht. Und es bleibt auch heute eine Kraftquelle für unser gemeinsames Leben und Wirken.

Kleine Schritte zum Vertrauen

Vielleicht beginnt Vertrauen im Alltag ganz klein: in einem aufmerksamen Gespräch, in einem offenen Blick, in einer helfenden Hand. Dort, wo Menschen einander mit Respekt begegnen und Verantwortung füreinander übernehmen, wächst Vertrauen.

Und dort wächst auch Hoffnung.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie solche Erfahrungen immer wieder machen dürfen – dass Vertrauen Ihr Leben bereichert, dass es Beziehungen stärkt und dass es Mut macht, den eigenen Weg zu gehen.

 

Sr. Angelika Garstenauer

Sr. Angelika Garstenauer (c) Fischbacher

Generaloberin Sr. Angelika Garstenauer

Foto (c) Fischbacher

Teile deine Gedanken