Mutig sein – ist das franziskanisch?

Franziskus war jahrelang ein Suchender. Vieles probierte er aus, in vieles lebte er sich hinein, bis es im Frühjahr 1208 zu einem entscheidenden Erlebnis kam: Als er am 25. Februar in Portiunkula die Messe mitfeierte, wurde er von einer Stelle aus dem Matthäusevangelium ins Herz getroffen: „Geht und verkündet (…) Nehmt keine Vorratstasche mit auf den Weg, kein zweites Hemd, keine Schuhe, keinen Wanderstab (…)“.

„Das ist es, was ich suche“, rief er aus. „Das will ich von Herzen tun!“

Franziskus änderte seine Kleidung, verschenkte seine Schuhe und bot in der Stadt Assisi seine Dienste an. Er setzte sich beim Kirchgang am Sonntag zu den Ärmsten. Er trat als Straßenkünstler auf, faszinierte die Menschen mit originellen Inszenierungen. Er mischte sich in Konflikte ein und deckte Maskierungen auf. Viele verwünschten ihn, andere ließen sich berühren von seiner Art, das Evangelium radikal zu leben und die Friedensbotschaft weiterzutragen. Bald schlossen sich Männer aus allen Gesellschaftsschichten an – Bürger, Adelige, Bauern, Handwerker, Gelehrte, Analphabeten. In seiner Bruderschaft gab es keine Unterschiede. Eine Gegenwelt zur damaligen Gesellschaft.

Das nenne ich Mut!

 

Und Klara? Um 1208/09 wird Klara 15 Jahre alt und erreicht damit das Heiratsalter. Die älteste Tochter des Favarone soll einem jungen Adeligen aus Assisi angetraut werden, den die Männer des Clans für sie bestimmen. Glücklich zu werden ist hier nicht das Ziel, sondern Familienallianzen zu stärken und Söhne zu gebären.

 

Klara zeigt jedoch keinerlei Anstalten, auf dieses familiäre Heiratsprojekt einzugehen. Im Heiligsprechungsprozess, dessen Akten uns erhalten sind, berichten zwei Zeugen aus dem Umfeld der Familie vom wachsenden Widerstand der Tochter, sich verehelichen zu lassen.

Auch Nachbarn ihres Hauses bekommen die Konflikte um die mögliche Eheschließung mit, die sich offensichtlich über Jahre hinziehen, bis Klara mit 17 alle familiären Pläne definitiv durchkreuzt und aus ihrem Elternhaus ausbricht um sich Franziskus anzuschließen.

Das nenne ich auch Mut!

 

Mit den Brüdern herumziehen konnte Klara nicht, also brachte sie Franziskus bei verschiedenen Frauengemeinschaften unter, bevor sie in das renovierte kleine Kloster bei San Damiano ziehen konnte – und mit ihr junge Frauen adeliger und bürgerlicher Abstammung, hochgebildet und einfach. Auch bei Klara finden wir diese Gegenwelt zur Gesellschaft. Klara als Leiterin der Gemeinschaft lässt sich nicht bedienen, sondern sie bedient ihre Schwestern.

 

Wir Heutige können und brauchen Franziskus und Klara nicht nachzuahmen.

Ihre Art, das Leben zu gestalten, kann uns aber anspornen in unserem Lebensumfeld mutige Akzente zu setzen und nicht mit der Masse mitzuschwimmen.

Nur Mut!

 

 

Verwendete Literatur:

Niklaus Kuster: Franz und Klara von Assisi – eine Doppelbiografie, Grünewald 2011.

Persönliche Aufzeichnungen von Sr. Teresa Hametner

Sr. Teresa Hametner

Impuls von Sr. Teresa Hametner

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