Was meinem Leben Sinn und Richtung gibt – #6: Jenny Gaßner

Jenny Gaßner, 25, Jungbäuerin am Moa-Hof neben dem Mutterhaus der Franziskanerinnen von Vöcklabruck und Jugendleiterin im Dekanat Gmunden, lebt nach dem Motto: „Es gibt nur ein Gas: Vollgas!“ Das ist nicht immer einfach, doch halbe Sachen sind nicht ihr Ding.

Was beschäftigt Sie gerade?

Mehreres: Als Beauftragte für Jugendpastoral im Dekanat Gmunden beschäftigt mich, wie wir mit den Veranstaltungen vorgehen, die wir Corona-bedingt in den Herbst verschieben mussten: Können sie stattfinden oder nicht … die Hoffnung stirbt zuletzt! Mein zweites Standbein ist die Landwirtschaft, da ist jetzt im Sommer Hochbetrieb: Die Felder, die Direktvermarktung von Milch, Mehl und Eiern … da sind wir gefordert! In den ersten beiden Wochen des Corona-Shutdowns sind wir leergekauft worden … jetzt pendelt sich das Ganze wieder ein. Aber in der Landwirtschaft gibt’s immer neue Projekte. Heuer haben wir zum ersten Mal Popcorn-Mais angebaut, mal schauen, wie er wird!

Den Moa-Hof betreiben Sie gemeinsam mit Ihrem Partner, Andreas Schwarzenlander, davor waren Sie Novizin im Nebenhaus …

Deshalb bin ich ja nach Oberösterreich gekommen, vor vier Jahren. Die Kirche, das Klosterleben haben mich schon als kleines Kind fasziniert. Wir haben ein Busunternehmen zu Hause, ich selbst bin auch ausgebildete Berufskraftfahrerin. Da bin ich viel herumgekommen, wir haben auch viele Wallfahrten unternommen. Ich habe schon als kleines Kind meine Großeltern dabei oft begleitet und bin auch immer wieder mit Ordensleuten in Kontakt gekommen. Das Leben, das sie führen, hat mich fasziniert. So reifte der Wunsch, das Ordensleben näher kennen zu lernen. Und so habe ich eines Tages alles aufgegeben, mein Auto, meine Wohnung, meinen Beruf, habe meine sieben Sachen geschnappt, bin nach Vöcklabruck gezogen und in den Orden eingetreten. Da war ich 21…

Warum zu den Franziskanerinnen von Vöcklabruck?

Ich bin mal im Urlaub hier gewesen (Es gibt die Möglichkeit, im Kloster als Gast mitzuleben). Ich kenne einige Ordensgemeinschaften, aber so viel Herzlichkeit und so ein freundliches „Hallo“ habe ich selten erlebt! Ich dachte mir: Ja, da kann ich daheim sein! Als Pinzgauerin war es ja gar nicht so einfach, plötzlich Oberösterreicherin zu werden.

Wie war das, wieder aus dem Orden auszutreten?

Ich war im Garten eingeteilt, so haben Andreas und ich uns kennengelernt und von Beginn an gut verstanden. Eine Beziehung war für mich zuerst kein Thema, ich war gerne Schwester, hatte super Aufgaben und ein schönes Leben. Und dann … habe ich mich halt wieder auf den Weg gemacht. Ich bin mit dem Milchwagerl übersiedelt (lacht). Ich habe ein halbes Jahr gebraucht für die Entscheidung, die ich ganz bewusst treffen wollte. Ich dachte ja, bei den Franziskanerinnen bin ich am Ziel angekommen. Sie waren die Familie, die ich mir ausgesucht habe. Ich hätte es auch wegschieben können, wollte aber bewusst hinschauen. Irgendwann war die Liste, die für ein Leben mit Andreas sprach, länger als die für ein Leben im Orden. Da habe ich dann gesagt: Lieber Gott, du kennst mein Lebensmotto: Es gibt nur ein Gas: Vollgas! Es war ein Gefühlschaos… Ich habe dann gesagt: Okay, dann gehe ich den Weg, obwohl es ein Weg ins Ungewisse ist. Im Nachhinein sage ich: Danke, Gott, dass du mich nur ins Nachbarhaus berufen hast, denn ich mag die Schwestern so gern!

Vermissen Sie das Ordensleben?

Die Zeit im Kloster war für mich die wertvollste, die ich bisher erlebt habe, weil man dort die Chance hat, ganz bei sich zu sein auch für die Mitmenschen ganz und gar da zu sein und Gott einen richtig großen Platz im Leben zu geben, auch im Alltag, wenn’s noch so stressig ist … Das mache ich auch jetzt, dazu muss ich nicht unbedingt Ordensschwester sein: In der Jugendarbeit, wo ich Raum dafür schaffe, dass die Jugendlichen sich auf Gott einlassen. Dass dann der Funke überspringt, kann ich nicht beeinflussen, das liegt in Gottes Hand.
In der Landwirtschaft, der Arbeit mit der Schöpfung, die Gott in dieser Welt sichtbar macht … ich denke mir oft: Danke lieber Gott, du schenkst mir so viel!

Was bedeuten die Tattoos auf Ihren Oberarmen?

Das sind zwei Zitate, die mich durchs Leben begleiten: Das eine ist Lukas 1,46: „Meine Seele preist die Größe des Herrn.“ Es bedeutet für mich: Alles, was ich in meinem Leben mache, ist zur Ehre Gottes. Das andere stammt von meiner Cousine Helene, einer Poetry Slamerin: „Weil das nur du kannst, und weil dieser Teil in meinem Herzen eigentlich immer nur du warst.“ Das ist für mich das Liebesgeständnis an Gott. Das möchte ich ausstrahlen, auch in meiner Jugendarbeit: Es ist nicht uncool, Gott in seinem Leben zu haben, ihm einen Platz zu geben, mit und für ihn zu leben!

Das klingt nach einem starken Urvertrauen …

Ja, ich bezeichne es als mein größtes Geschenk, dieses Urvertrauen zu Gott. Natürlich kommen im Leben auch Zweifel: Zum Beispiel nach dem plötzlichen Tod meines Vaters vor drei Jahren … Das war sehr schwierig. Da fragst du dich: Jetzt hast du dieses Urvertrauen, und dann kriegst du auf einmal so eine Watschen? Aber so ist das im Leben. Auch wenn ich nicht begreife, warum das passiert ist, muss ich respektieren, dass dieser Mensch seine Entscheidung getroffen hat. Wichtig ist für mich zu sehen: Gott ist da und ich kann nicht tiefer fallen als in seine Hand!

(sam)

Fotos (c): Jenny Gaßner

“Es ist nicht uncool, Gott in seinem Leben zu haben, ihm einen Platz zu geben, mit und für ihn zu leben!”

Jenny Gaßner

In unserer Serie “Was meinem Leben Sinn und Richtung gibt” kommen Frauen zu Wort, die sich Gedanken über den größeren Kontext ihres Lebens machen.

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